ALKATAR – Rückkehr: Neues Cover und Beerenernte

Das neue Cover von Beate Rocholz ist da und die finale Endkontrolle läuft. Das heißt, der letzte Band der ALKATAR-Tetralogie befindet sich kurz vor dem Druck der Verlagsausgabe und natürlich der Veröffentlichung. Nur in der Verlagsausgabe des Papierbuches wird es eine Galerie der Hauptakteure aus meiner bescheidenen Zeichnerhand in Farbe geben. Im ebook wird es auch bunt, aber in der Papierversion, die auf Amazon zu erwerben ist, werden meine Bilder in schwarz weiß zu sehen sein. Jetzt muss ich noch einmal über mein Werk drüberschauen und dann kann der Verlag Emmerich Books & Media weitermachen. Wie ich gerade gesehen habe, gibt es dort auch schon eine Leseprobe.

 

Und was gibt es aus unserem Selbstversorgerleben zu berichten? Ich habe den Eindruck, dass sich durch das kalte Frühjahr bei der diesjährlichen Ernte so einiges um drei Wochen verschoben hat. Um diese Zeit hatten wir normalerweise bereits unsere Kirschernte verarbeitet. Doch die spärlichen Früchte wollen einfach nicht rot werden und die meisten der Dinger scheinen sich dafür zu entscheiden, frühzeitig vom Baum zu springen. Auch die Erdbeeren haben sich verspätet und irgendwie wollen alle Beeren auf einmal reifen. Im Moment verbringen wir jeden zweiten Tag stundenlang mit Erdbeer- und Johannisbeerernte und mit der Verarbeitung der Früchte. Und die Erbsen blinzeln uns auch bereits mit ihren dicken Schoten zu.

Natürlicher Leben

Unser Ausstieg aus der Konsumgesellschaft

Teil 1: Was hat dich bewogen, den Schritt „zurück zur Natur“ zu wagen?

Teil 2: Worauf verzichtest du und was ist noch an die Gesellschaft angelehnt?

Teil 3: Vom Plan zur Verwirklichung oder Selbstversorgung und Minimalismus

Das Ende des Arbeitsethos

Garten

Der Gartenplan

Die Aussaat

Die Beetvorbereitung

Das Erdbeerquartier

 

Rezepte

Mischbrot mit Hefe
Sauerkraut selbst gemacht
Waschmittel aus Seifenflocken
Reinigung mit Essig und Wasser

 

 

Welche Feiertage gibt es in deinen Büchern? Sind sie den Charakteren wichtig?

 

Wieder ist Alvan zu Besuch, diesmal an Ostern. Wir sitzen auf der Bank unter dem Kirschbaum und blicken auf den Garten, in dem zaghaft das erste Grün an den Ästen der Bäume und Sträucher sprießt. Die Sonne scheint, ein paar bauchige Wolken ziehen vorbei, aber es ist noch empfindlich kühl, so kühl, dass ich fürchte, unser Weinbergpfirsich und die Aprikose werden auch dieses Jahr keine Früchte tragen. Sie blühen bereits und in den nächsten Tagen ist Nachtfrost gemeldet.

„Heute geht es um deine Feiertage“, sage ich zu Alvan gewandt. „Gibt es welche und sind sie dir wichtig?“

„Auf der IGASHU, dem Planetenschiff, auf dem ich stationiert bin, gibt es keine. Das Volk der Laurasier feiert nach Gelegenheiten, wie etwa bei der Beförderung eines Besatzungsmitgliedes oder dem Empfang einer hochrangigen Persönlichkeit. Ansonsten lieben sie Kulturveranstaltungen, irgendwelche Interessengruppen oder was auch immer …“ Bei dieser Erklärung klingt seine Stimme eher desinteressiert. Hörbar zieht er die Luft in seine Lungen. „Ihr habt hier duftdominante Tiere.“

„Spitzmäuse.“ Obwohl ich nicht Alvans ausgeprägte Sinne besitze, rieche auch ich den moschusartigen Geruch. „Ein paar von ihnen leben im Kompost und helfen uns, die Schnecken zu dezimieren.“ Ich weiß, dass sie direkt vor der Bank im dichten Laub des Waldmeisters eine Art Straße besitzen.

„Gelten Mäuse bei euch nicht als Schädlinge?“

„Nein, diese heißen nur so, sind aber in Wirklichkeit keine, sondern mit Igel und Mauswurf verwandt, also reine Insektenräuber und keine Nagetiere. Sie sind winzig und fast blind. Erst vor ein paar Tagen, als wir den Kompost umgeworfen haben, haben wir eine gesehen, so verletzlich, mit langgezogener spitzer Schnauze und winzigen rosa Pfoten, die wie die Hände eines Menschen aussahen. Sie hat ängstlich gequiekt und sich wieder im Kompost verkrochen. Aber wir haben bei der Aktion ihr Nest zerstört und ich hatte ein schlechtes Gewissen …“

Alvan brummt verstehend

„Wie sieht es auf deiner Heimatwelt mit Feiertagen aus?“

„Du meinst Sumas?“

„Ja.“

„Sumas.“ Plötzlich geht etwas Wehmütiges von ihm aus, eine bedrängende Sehnsucht. „Einst feierte mein Volk zwei wichtige Feste.“ Unter halbgeschlossenen Augen blickt er in eine imaginäre Ferne, scheint in der Zeit weit zurückzureisen. „Wenn unsere Kinder erwachsen wurden, mussten sie beweisen, dass sie allein in der Wildnis überleben können. Wenn sie ihre Initiierung erfolgreich bestanden hatten, wurde zu ihren Ehren ein Fest gefeiert, in deren Verlauf sie das Brandzeichen ihrer Sippe erhielten. Erst dann galt ein Knabe als Mann und wurde als Jäger akzeptiert, eine Frau galt als tragende Säule ihres Volkes.“

„Und das zweite Fest?“, frage ich behutsam, denn ich will ihn nicht weiter in diese schmerzhaften Erinnerungen treiben. Ich weiß, dass auch er einst dieses Ritual durchlaufen und dabei einen herben Verlust erlitten hat. Außerdem mussten alle jungen Männer nach ihrer Initiierung ihre Sippe verlassen, was für Alvan der Beginn eines langen Leidensweges bedeutete.

„Das Equilibrium, das Fest der Jagd.“ Seine Sehnsucht umhüllt uns weiter wie ein dunkles Leichentuch. „Nach den Feierlichkeiten brachen wir in der dunklen Phase zur Jagt auf die Manturen auf, um ihr Wachstum zu begrenzen. Sie ziehen sich zum Schutz vor der kalten Zeit und zur Vermehrung in die Schlucht Adastinare zurück. Dort haben wir sie gestellt.“

„Du würdest gerne in deine Heimat zurückkehren.“ Manturen sind riesenhafte echsenartige Kreaturen, die nur von besonders starken Jägern und Jagdformationen bejagt werden durften. Alvan war einst einer dieser Jäger gewesen.

„Das weißt du ganz genau.“ Seine Augen scheinen einen vernichtenden Blitz auf mich abzuschießen. „Diese verdammten Laurasier verwehren mir die Rückkehr und halten mich durch einen Eid gebunden, den ich vor sehr langer Zeit als eine andere Person geschworen habe.“

 

Und am Schluss zeige ich euch noch die Spitzmaus.

Wie verbringst du Ostern?

Wie ich Ostern verbringe? Ich sehe Alvans amüsiertes Grinsen. Er ist mein wichtigster Protagonist aus der ALKATAR-Reihe, begleitet mich seit meinen Schreibanfängen. Jetzt bis du mal dran, scheint er zu sagen. In die figurbetonte braune Uniform des Interplanetaren Bundes gehüllt, lehnt er mit verschränkten Armen an unserem Kompost und sieht seelenruhig dabei zu, wie ich mehrere Eimer fülle, um sie auf die Beete zu verteilen. Er ist jetzt Offizier, ein hochrangiges Tier mit der Macht, Millionen von Leben auszulöschen.

„Und? Wie verbringst du Ostern?“

„Hier!“ Ich drücke ihm zwei Eimer in die Hand und ignoriere seinen Status und Dominanz. Schließlich haben wir ja gemeinsam schon so einiges durchgestanden und ich weiß, dass er keine Probleme damit hat, sich die Finger schmutzig zu machen. . „Drittes Beet von unten, aber nur so dünn verteilen, dass man die Erde noch durchsieht.“

„So wenig?“, wundert er sich, ohne sich über die ihm zugewiesene Arbeit zu beschweren.

„Jährlich zu viel Kompost bedeutet auch zu viel Phosphat.“ Himmel, was rede ich denn da? Als ob sich ein Heerführer für Düngung interessieren würde. „Wir haben in den letzten Jahren genug Humus eingebracht, auch Gründünger und so. Jedenfalls reicht das dieses Jahr.“

Er nickt nur unmerklich und läuft los. Ich sehe ihm nach, wie er leichtfüßig und federnd den schrägen Gartenweg hinab geht, bevor ich hinter ihm her stapfe. Während das Tragen der schweren Eimer bei mir wie der Gang eines überladenen Lastesels wirkt, scheint Alvan das Gewicht gar nicht zu spüren. Kurz darauf verteilt er den Kompost mit den Händen. „Und?“ Er dreht einen der Eimer um, setzt sich darauf und klopft sich die Erde von den Fingern. „Wie war das mit Ostern?“

Nachdem ich auch meine Last verteilt habe, setzte ich mich neben ihn auf eine Stufe des Gartenweges. „Seitdem wir ausgestiegen sind, spielen die Feiertage gar keine so große Rolle mehr. Und im Moment mit Corona noch weniger. Normalerweise treffen mein Mann und ich uns mit der Familie, aber das lassen wir dieses Jahr lieber. Für Ausflüge in die Natur gibt es bessere Tage, Tage, an denen es im Wald einsam ist. Wir sind sowieso jede Woche unterwegs, joggen oder fahren mit dem Moutainbike durch den Taunus.“  Nachdenklich beobachte ich eine Wildbiene, die sich auf dem Beet feuchte Erde für ihren Bau holt. Bei unseren Bienenhotels ist noch nicht so viel los wie sonst um diese Zeit und ich hoffe, dass die Bienchen dieses Jahr aufgrund der kühlen Witterung einfach nur ein wenig später schlüpfen. „Wir werden es die Feiertage einfach etwas ruhiger angehen lassen, etwas Gutes kochen und eine Flasche Wein trinken.“ Diese Woche haben wir bereits die ersten Beete bearbeitet und Kompost umgesetzt. Da wird uns die Ruhe gut tun.

Geruhsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

Ich habe nachdenken müssen, welche Grüße ich in solch einer bedrückenden Zeit senden soll, in einer Zeit, in der die Pandemie wie eine drohende Wolke über allem schwebt,  sich die Bevölkerung  in grundverschiedene Lager spaltet, Wissenschaft gegen Glauben kämpft und sich die wirrsten Verschwörungstheorien verbreiten. In einer Zeit, in der gemeinsames Handeln wichtig wäre, aber bereits bei den kleinsten Veränderungen eine wilde Diskussion entbrennt, wo so manch einer um seine persönliche Freiheit fürchtet und dabei das große Ganze aus den Augen verliert. Weder den Klimawandel noch die Pandemie kümmert unsere Meinung und sie gehen ihren ganz eigenen Weg, der, je nachdem wie wir uns verhalten, immer steiniger und unwegsamer werden kann.

Doch darüber wollte ich eigentlich nicht reden. Ich habe mich für das Wort „geruhsam“ entschieden, obwohl es einen schalen Beigeschmack besitzt. Für den einen mag es eine erzwungene Geruhsamkeit darstellen, weil er der Arbeit fernbleiben muss, sich die Geldsorgen zuspitzen, die Feiertage nicht im gewohnten Familienkreis stattfinden können , man den Lebenspartner so allmählich satt hat oder auch einfach nur einsam ist. Für den anderen mag es eine Zeit der Einkehr sein, um zur Ruhe zu kommen, lange liegen gebliebene Dinge zu erledigen, Zeit mit den Kindern zu verbringen, über sein eigenes Leben und die Welt nachzudenken. Dann gibt es noch diejenigen, die weit über ihre Grenzen gehen, weil ohne sie die Gesellschaft nicht funktionieren kann, diejenigen, denen die Arbeit über den Kopf wächst. An sie muss ich oft denken. Und zum Schluss gibt es diejenigen, die es immer gibt und die es schaffen, aus jeder Krisen ihre Gewinne zu ziehen. Jeder erzählt da seine eigene Geschichte, einen persönlichen Weg und seine eigene Sicht der Dinge.

Für uns als Selbstversorger hat sich während der Pandemie nicht so viel verändert. Das Einkaufen ist seltener und stressiger geworden, der Umgang mit Menschen vorsichtiger, immer die die Angst vor Ansteckung im Gepäck, weil wir uns besonders um die Gesundheit älterer Angehöriger sorgen.

Zusätzlich hielt das Jahr 2020 für uns ein ungewöhnliches Klima bereit – den dritten Dürresommer in Folge, zu hohe Temperaturen. Bäche, die ich seit meiner Kindheit kenne, lagen erstmals trocken, der sonst so üppige Wald des Taunus verkahlt und stirbt. Beim Gießen im Sommer musste ich oft überlegen, welchen Pflanzen ich Wasser gebe, welche Bäume uns Früchte bringen. Alles konnte ich unmöglich gießen und das Wasser war nach kurzer Zeit bereits wieder verdunstet, die Regenwassertanks leerten sich rasend. Die Natur und die Tiere sind aus dem Gleichgewicht. Erst im nächsten Jahr werden wir die Schäden richtig sehen.

Aber darüber wollte ich auch nicht reden. Das Jahr 2020 war das Jahr, in dem ich meine ALKATAR-Tetralogie beendet habe. Beim Schreiben haben mich wie immer meine Figuren intensiv begleitet, sodass ich den Drang verspürte, sie zu zeichnen. Das Portrait von Mütterchen Shae, Ousadaps Herrscher Herius, seine Haremsdame Valera und Halona, die leitende Medizinerin des Planetenschiffes IGASHU, sind entstanden. Im Moment befindet sich das Manuskript bei meinem Verlag Emmerich Books & Media und wir hoffen, dass wir das Buch im Frühjahr veröffentlichen können. In der Zwischenzeit beschäftige ich mich mit Recherche für ein neues Projekt, die mich gerade in die Zeit der alten Sumerer führt. Ich lese die Übersetzung des Gilgameschepos und enuma elisch, die weit vor Christus‘ Geburt in Keilschrift auf Tontafeln verewigt wurden. Spannend, aber auch anstrengend. Die Götterwelt ist komplex und und meine eigene Interpretation der Geschichte ebenfalls.

Jedenfalls wünsche ich euch alles Gute für das neue Jahr. Möge es besser als das letzte Jahr werden!